
Gummigranulat, -mehl als Zuschlagsstoff für gummimodifizierten Asphalt
Asphalt besteht aus einer Mischung aus Bitumen, Splitt und ggf. weiteren Zuschlagsstoffen wie z. B. Öle oder Polymere. Ein weit verbreitetes Problem von herkömmlichem Asphalt ist, dass er bei niedrigen Temperaturen spröde und brüchig wird, was zu Kälterissen und Frostschäden führt. Andererseits wird Asphalt an heißen Sommertagen sehr weich, wodurch die häufig zu beobachtenden Spurrillen entstehen.
Beide Probleme können durch die Zugabe von Gummimehl abgemildert werden. Gummimehl oder Gummigranulat sorgen bei sehr niedrigen Temperaturen für ausreichende Elastizität und gleichzeitig verhindern sie bei hohen Temperaturen eine zu schnelle Erweichung des Straßenbelages.
Seit den 1920er Jahren hat es in Deutschland immer wieder Teststrecken mit Gummiasphalt gegeben, wobei unterschiedlichste Mischungen und Materialien zum Einsatz kamen. Seit 1981 wird in Europa ein gummimodifizierter Straßenbelag mit dem Markennamen Flüster-Asphalt® eingesetzt. Erfahrungsberichten zufolge sind folgende positive Eigenschaften festzustellen:
• verbesserte Drainagefähigkeit
• verminderte Spurrillenbildung
• deutlich reduzierte Lebenszykluskosten
• geringere Lärmemission
• längere Lebensdauer des Straßenbelags
Trotz dieser zweifelsfrei belegten Vorteile hat sich diese Art des Straßenbelags in Europa noch nicht in dem Maße durchgesetzt, wie es im Sinne eines verantwortungsbewussten Umganges mit den immer knapper werdenden öffentlichen Mitteln in unserem Land wünschenswert wäre.
Demgegenüber wurden in Nordamerika in den vergangenen fünfzehn Jahren zahlreiche große Gummiasphalt-Projekte realisiert. Mehrere Langzeitstudien belegen sowohl die technische, als auch die wirtschaftliche Überlegenheit von Gummiasphalt.
Trotz der auf der Hand liegenden Vorteile fristet diese Anwendung in Deutschland sowie im übrigen Europa eher ein Schattendasein. Dies liegt vor allem an den hier üblichen Ausschreibungsverfahren der öffentlichen Hand. Es wird in der Regel nicht der Zustand eines Straßenbelages über einen längeren Zeitraum ausgeschrieben, sondern zumeist die einmalige Asphaltierung einer Straße oder Autobahn. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Straßenbauunternehmen bei dieser Ausschreibungspraxis keinerlei Anreiz haben, hochwertigere und vor allem langlebige Asphaltbeläge zu bauen.
Sollte die öffentliche Hand die Ausschreibungsmodalitäten dahingehend ändern, den Zustand des Straßenbelags über einen längeren Zeitraum (beispielsweise 20 Jahre) auszuschreiben, wäre es im ureigensten Interesse der Straßenbauunternehmen, ein möglichst langlebiges Material einzusetzen.
Dies würde nicht nur zu einer deutlichen Einsparung der Straßenbaukosten führen, sondern hätte auch den sehr erfreulichen Nebeneffekt, dass es langfristig weniger Baustellen und Staus gäbe und damit auch die Verkehrssicherheit erhöht werden würde.
Quelle: Kurt Reschner – Recycling von Altreifen
Weiterführende Links zum Thema Gummiasphalt:
- bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. – KURZ Veranstaltung auf Gummiasphalt-Testgelände
- Kurt Reschner – Recycling von Altreifen und anderen Elastomeren
- Kurt Reschner – Altreifenrecycling
- ZEIT ONLINE GmbH – Lärmschutz: Kampf dem Krach
- Umweltbundesamt – Lärmmindernde Fahrbahnbeläge
- PEBA Prüfinstitut für Baustoffe GmbH – Erfahrungen beim Einbau von Gummimodifiziertem Asphalt
- Südtiroler Landesverwaltung – Lärmschutz: „Gummi-Asphalt“ getestet – Alternative zur Lärmschutzwand
- ZEIT ONLINE GmbH – Gummibelag gegen Straßenlärm
- Land der Steiermark – Teststrecken: Gummiasphalt



