Altreifen in die richtigen Hände!

Bonn, 26.09.2017      Der Sommer neigt sich dem Ende, die Reifensaison steht bevor. Im Oktober gilt es für alle Sommerreifenbesitzer, auf Winterreifen umzusteigen – und dafür rechtzeitig einen Termin zu vereinbaren. Eine gute Gelegenheit, sich beim Reifenhändler oder der Kfz-Werkstatt des Vertrauens zu erkundigen, wie dort die Altreifenentsorgung gehandhabt wird. Denn die Reifenwechsel-Zeit ist auch die Zeit, in der unzählige Altreifen in Waldstücken, an Feldwegen, auf Parkplätzen und Flussläufen abgeladen werden. Die Berichte über solche illegalen Altreifenentsorgungen häufen sich. Es ist ein Ärgernis, das die Allgemeinheit mit ihren Steuergeldern teuer bezahlen muss, da die Umweltsünder meist unentdeckt bleiben. Dem Verbraucher bleibt nur eine Möglichkeit, mitzuhelfen: Er muss sicherstellen, dass er es mit seriösen, nachhaltig handelnden Betrieben zu tun hat, wenn es um Reifen geht.

Rund 570.000 Tonnen Altreifen überschreiten in Deutschland jährlich ihr „Verfallsdatum“. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass jeder Reifen seinen Platz in der lückenlosen Verwertungskette findet. Es gibt verschiedene Methoden, einen Altreifen wiederzuverwenden: Bei der Runderneuerung wird die abgefahrene Lauffläche durch eine neue ersetzt, der so entstandene runderneuerte Reifen gelangt wieder in den Verkehr. Reifen, die keine Beschädigungen aufweisen, können außerdem in Länder exportiert werden, in denen die vorherrschenden Straßenverhältnisse keine hohen Geschwindigkeiten erlauben und es keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe gibt. Wenn auch das nicht in Frage kommt, werden die Altreifen in der sogenannten thermischen Verwertung als industrieller Brennstoff verwendet oder aber zu Gummimehl oder -granulat verarbeitet, einem Rohstoff, der auf vielfältige Art und Weise Anwendung findet, etwa im Straßenbau oder bei der Herstellung von Dichtungsmitteln.

Wie erkennt man den seriösen Altreifenentsorger?
Voraussetzung dafür, dass jeder Altreifen seiner Bestimmung zugeführt wird, ist die kompetente Begutachtung durch einen Fachmann. Doch der muss den Reifen dazu erst einmal in die Hände bekommen. Seriöse, durch den Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV) zertifizierte Altreifenentsorger verfügen nicht nur über das Know-how, sondern auch über die zur Verwertung nötigen Anlagen und die entsprechenden geschäftlichen Kontakte. Da gerade während der Reifenwechselsaisons im Frühjahr und Herbst viel zu tun ist, versuchen auch einige schwarze Schafe sich ihr Stück vom Kuchen zu sichern. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, Altreifen in großen Mengen zu günstigen Konditionen abzunehmen und exportfähige Exemplare mit Gewinn weiterzuverkaufen. Den für sie wertlosen Rest laden sie kurzerhand illegal in der Landschaft ab. Die mitunter hohen Kosten für die Entsorgung trägt in der Regel Allgemeinheit, da die Umweltsünder nur selten ermittelt werden können. Dass die Länder diese illegalen Entsorgungen längst nicht mehr wie Kavaliersdelikte behandeln, zeigt ein Blick auf die erhobenen Bußgelder: In Niedersachsen schlägt die Entsorgung von fünf Reifen mit 5.000 Euro zu Buche. Man muss den schwarzen Schafen konsequent die Geschäftsgrundlage entziehen, indem man ihnen keine Reifen mehr anvertraut.

Information und Aufklärung
Daher ist es wichtig, dass sich auch Kunden bei Werkstätten und Reifenhändlern informieren, ob diese mit einem zertifizierten Altreifenentsorger zusammenarbeiten. Wissen die Betriebe, ob bei ihrem Partner eine BRV-Zertifizierung vorliegt, die garantiert, dass übergebene Altreifen nachhaltig und fachgerecht entsorgt werden? Oder wird bei der Altreifenentsorgung eher nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn!“ verfahren?  Eine solche Geschäftsphilosophie sollten Verbraucher nicht länger unterstützen, sondern sich konsequent nach einem anderen Dienstleister umsehen. Jeder Einzelne muss Verantwortung für die Umwelt übernehmen und Umweltsündern klarmachen, dass er ihr Verhalten nicht tolerabel ist. Vielleicht hilft der Gedanke an die eigenen, vergeudeten Steuergelder, die demnächst wieder für die Bergung von Altreifen anstatt für sinnvolle Maßnahmen aufgewendet werden.

Wer sich über Altreifenentsorgung informieren möchte, der kann sich auf der Website der Initiative ZARE einen handlichen Flyer als PDF herunterladen, auf dem alles Wesentliche zum Thema kurz und prägnant zusammengefasst ist. Auf der Seite findet er außerdem viele weitere Informationen, z. B. die gesammelten Meldungen über Altreifenentsorgungen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Über die Initiative ZARE

Die Initiative ZARE ist ein Zusammenschluss von 16 im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) zertifizierten Altreifenentsorgern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Bewusstsein für fachgerechtes Reifenrecycling in Deutschland zu stärken. Alle ZARE-Partner sind auch Mitglied im BRV. ZARE informiert den Autofahrer über die umweltgerechte Altreifenentsorgung. An 23 Standorten decken die ZARE-Partner Deutschland und die Niederlande nahezu flächendeckend ab.

Die Partner der Initiative sind:

Allgemeine Gummiwertstoff und Reifenhandels GmbH, Bender Reifen Recycling GmbH, Containertransporte Wesseler GmbH, CVS Reifen GmbH, Danninger OHG Spezialtransporte, Hartung Speditions-, Handels- und Transport GmbH, HRV GmbH, KARGRO B.V., KURZ Karkassenhandel GmbH, Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft mbH, REG Reifen-Entsorgungsgesellschaft mbH, REIFEN DRAWS GmbH, Reifengruppe Ruhr / RGR, Reifen Günay GmbH, REIFEN OKA, Reifen Recyclingbetrieb Brenz GmbH

Quelle:
Bußgeldkatalog 2017 – Verband für bürgernahe Verkehrspolitik e.V.