Klimafit für die Zukunft: Reifen und ihre Rohstoffe im Kreislauf halten und verwerten
Jedes Jahr fallen in Deutschland über 500.000 Tonnen Altreifen an. Diese werden von zertifizierten Entsorgern gesammelt und geprüft. Reifen, die sich nicht mehr reparieren, nachprofilieren oder runderneuern lassen, werden dem klimagerechten Recycling zugeführt – zum Beispiel der mechanischen Verwertung.
In der mechanischen Verwertung werden Reifen mit moderner Technologie in ihre Bestandteile zerlegt. So werden die wertvollen Sekundärrohstoffe aus Reifen (Stahldraht, Textilfasern und vor allem Kautschuk/Gummi) im Kreislauf gehalten, anstatt sie zu deponieren, zu exportieren oder als Sekundärbrennstoff zu verheizen.
In speziellen Schredder- und Granulieranlagen werden die Reifen in einem mehrstufigen Prozess mechanisch zerkleinert, in ihre Bestandteile zerlegt und zu hochwertigen Sekundärrohstoffen aufbereitet. Der granulierte Kautschuk/Gummi der Reifen (ca. 75% des Volumens) wird nach der Abtrennung von Textilfasern und Stahl in der Feinvermahlung auf die gewünschte Endkörnung gebracht.
Zunächst erfolgt eine Vorzerkleinerung auf eine Stückgröße von etwa 50 bis 150 Millimetern, meist mithilfe von Rotorscheren oder Zweischwellen-Schreddern. In einem weiteren Schritt werden die Reifenschnitzel im Granulator aufgeschlossen und nachzerkleinert. Durch eine Kombination aus Schneiden, Reißen und Quetschen wird das Material weiter separiert, sodass ein Mahlgut mit einer Korngröße von etwa fünf bis zehn Millimetern entsteht.
In der anschließenden Feinvermahlung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Neben der warmen Vermahlung wird auch die kryogene Vermahlung angewendet, bei der das Material auf Temperaturen von bis zu minus 100 Grad Celsius abgekühlt wird. Durch die starke Abkühlung wird der Gummi spröde und kann besonders sauber und präzise in seine einzelnen Bestandteile zerlegt werden – ein hochwertiges Gummimehl entsteht.

Aufgrund des besonders widerstandsfähigen Gummimaterials ist die mechanische Verwertung von Reifen technisch anspruchsvoll. Gleichzeitig stellt die Industrie hohe Anforderungen an die Qualität von recyceltem Gummi, da die gewonnenen Materialien exakt den jeweiligen Einsatzbedingungen entsprechen müssen.
Das recycelte Reifen-Gummigranulat und -Gummimehl wird für die Fertigung einer Vielfalt hochwertiger Produkte für diverse Branchen und Einsatzbereiche eingesetzt. Zum Beispiel im Straßenbau, auf Sport- und Spielplätzen, in Lärmschutzwänden sowie in verschiedenen Dicht- und Formteilen. Produkte aus Reifen-Gummigranulat und -Gummimehl sind robust, wetterfest, langlebig und erfordern nur ein Minimum an Pflege/Wartung. Die Fertigung – made in Germany – erfolgt mit kurzen Transportwegen, unter Einhaltung höchster Umwelt- und Qualitätsstandards.
Durch die mechanische Reifenverwertung werden in Deutschland jährlich hunderttausende Tonnen Abfälle und CO2-Emissionen vermieden, natürliche Ressourcen geschont, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf gehalten und Energie gespart. Außerdem trägt die mechanische Reifenverwertung dazu bei, die regionale Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern, die Abhängigkeit von Rohstoff-Importen zu senken und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu erreichen.



