Die Europäische Union stärkt mit der neuen Verordnung über Altfahrzeuge (End-of-Life Vehicles, ELV) die Kreislaufwirtschaft und den nachhaltigen Umgang mit wertvollen Rohstoffen. Eine wesentliche Neuerung betrifft Altreifen: Sie müssen künftig vor dem Schreddern von Altfahrzeugen ausgebaut werden. Dadurch können sie entsprechend ihres Zustands den jeweils hochwertigsten Verwertungswegen zugeführt werden.
Die Abfallhierarchie gibt den Weg vor
Grundlage der neuen Regelung ist die europäische Abfallhierarchie. Sie sieht vor, Abfälle möglichst zu vermeiden und Produkte so lange wie möglich zu nutzen. Erst wenn eine weitere Verwendung nicht möglich ist, sollen Materialien recycelt und als Sekundärrohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden.
Für Altreifen bedeutet dies: Zunächst wird geprüft, ob sie weiterverwendet oder runderneuert werden können. Erst wenn diese Möglichkeiten ausscheiden, kommen hochwertige Recyclingverfahren zum Einsatz.
Mehr Wiederverwendung und Runderneuerung
Viele Reifen werden im Rahmen der Fahrzeugverwertung ausgebaut, obwohl sie technisch noch für eine weitere Nutzung oder eine Runderneuerung geeignet sind. Die verpflichtende Demontage schafft künftig die Voraussetzung, diese Potenziale besser zu nutzen.
Insbesondere die Runderneuerung trägt dazu bei, Rohstoffe, Energie und CO₂ einzusparen. Gleichzeitig verlängert sie den Lebenszyklus hochwertiger Reifen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung.
Hochwertiges Recycling sichert wertvolle Rohstoffe
Nicht mehr verwendbare Reifen sind ein wichtiger Rohstofflieferant. Moderne Recyclingverfahren ermöglichen die Rückgewinnung von Gummigranulat, Gummimehl, Stahl und weiteren Wertstoffen, die in zahlreichen Industriebereichen erneut eingesetzt werden können.
Durch den verpflichtenden Ausbau der Reifen stehen diese Materialien künftig gezielter für hochwertige Recyclingverfahren zur Verfügung. Damit werden Kreisläufe geschlossen und natürliche Ressourcen geschont.
Rückenwind für die Kreislaufwirtschaft
Die Bedeutung nachhaltiger Reifenkreisläufe wurde zuletzt auch durch ein Antwortschreiben der Europäischen Kommission an die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) unterstrichen. Darin bestätigt das Büro von Generaldirektor Eric Mamer, dass verschiedene Empfehlungen der Initiative – darunter die Förderung von Reifenreparatur und Runderneuerung, hochwertige Recyclingverfahren sowie die Stärkung des europäischen Marktes für Sekundärrohstoffe – im Zusammenhang mit dem geplanten Circular Economy Act geprüft werden.
Die Kombination aus neuer ELV-Verordnung und den geplanten Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft setzt wichtige Impulse für einen nachhaltigeren Umgang mit Altreifen. Für die zertifizierten Altreifenentsorger im ZARE-Netzwerk bestätigt diese Entwicklung die Bedeutung einer fachgerechten Erfassung und hochwertigen Verwertung von Altreifen – von der Wiederverwendung über die Runderneuerung bis hin zum hochwertigen Recycling.