Bonn, 28. Juli 2025. Seal- und Silentreifen sollen Autofahrer vor Pannen schützen und für leisere Fahrgeräusche sorgen. Die selbstabdichtenden oder schallgedämpften Reifen sind jedoch in der Anschaffung um bis zu 20 Prozent teurer als vergleichbare Standardreifen. Seal- und Silentreifen können am Ende ihres Lebenszyklus nur eingeschränkt und mit deutlich höherem Aufwand recycelt werden. Und der Aufwand für die Reparatur liegt im Schadensfall deutlich über dem für Standardreifen.
Sealreifen bieten eine erhöhte Fahrsicherheit, da die Dichtmasse auf der Innenseite der Lauffläche Reifenpannen durch Einstiche umschließt und abdichtet. Die sofortige Weiterfahrt ist möglich, ohne den Reifen sofort wechseln oder den Pannendienst rufen zu müssen. Eine Überprüfung des Schadens in der Fachwerkstatt ist zeitnah angeraten. Der eingebaute Pannenschutz ist jedoch mit einem höheren Anschaffungspreis verbunden und zieht weitere ökonomische und ökologische Folgekosten nach sich.
Reparaturen von Seal- und Silentreifen sind grundsätzlich gesetzlich zugelassen. Wie bei jeder Reifenreparatur sind die Richtlinie zur Instandsetzung von Luftreifen (StVZO § 36) die rechtlichen Voraussetzungen für den gewerblichen Reparaturbetrieb sowie die Vorgaben der Reifen- und Reparaturmaterialhersteller zu beachten.
Die Reparatur dieser Reifentypen ist jedoch für Werkstätten oft mit erhöhtem Aufwand und besonderen Maßnahmen verbunden. Die Dichtmasse von Sealreifen erschwert die Schadenserkennung. Auch die Beurteilung eventuell vorhandener Strukturschäden durch Plattrollen ist für Werkstätten oft schwierig. Bei der Reparatur eines Silentreifens im Laufflächenbereich muss zudem die Schaumstoffeinlage und die evtl. vorhandene (Rest-) Klebstoffschicht im Bereich der Punktierung im erforderlichen Maße (bis ca. 5 mm über den Rand des Reparaturpflasters hinaus) entfernt werden. Standardreifen können hingegen in aller Regel ebenso schnell wie kostengünstig repariert und weitergefahren werden.
Ökologisch problematisch: Seal- und Silentreifen können im Vergleich zu Standardreifen nur eingeschränkt und mit deutlich höherem Aufwand recycelt werden. Die Dichtmasse bzw. Schaumstoffschicht (die unter anderem Polyurethan enthält) muss vor dem eigentlichen Recyclingprozess entfernt werden, da sie nicht wie Reifengummi recycelt werden und die Maschinen verkleben kann.
Für die Entsorger ist die Dichtmasse bzw. Schaumstoffschicht von Seal- und Silentreifen äußerlich nur schwer zu erkennen, weshalb diese Reifen aufwändig manuell aussortiert werden müssen. Denn die Dichtmasse kann die Zerkleinerungswerkzeuge von Recyclinganlagen verkleben und verschmutzen. Zudem besteht erhöhte Brandgefahr – Sealreifen können sich in Schreddermaschinen selbst entzünden, wenn sie nicht rechtzeitig identifiziert werden.
Nach Schätzungen der zertifizierten Altreifenentsorger (ZARE) machen Seal- und Silentreifen bereits rund 4 % des Altreifenaufkommens aus – Tendenz steigend. Das entspricht rund 2.400 Tonnen jährlich, die nur mit erhöhtem Aufwand repariert und eingeschränkt recycelt werden können.
Hinzu kommt: Seal- und Silentreifen sind fast ausschließlich in der Erstausrüstung von Neuwagen zu finden – im Ersatzgeschäft spielen sie kaum eine Rolle. Ihr Vorteil endet also nach wenigen Jahren oder rund 40.000 Kilometern – bzw. beim ersten Saisonwechsel – eine Tatsache, die den meisten Autofahrern unbekannt ist. Sicherheitsexperten kritisieren zudem, dass Fahrer sich durch die scheinbare Pannensicherheit weniger um den Zustand ihrer Reifen kümmern – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen.
Auch die viel beworbene Lärmminderung durch Silentreifen bringt kaum echten Mehrwert – sie ersetzt lediglich fehlende Schalldämmung im Innenraum. Die Initiative ZARE fordert daher eine klare Kennzeichnungspflicht von Seal- und Silentreifen durch die Hersteller. Autofahrer sollten genau prüfen, ob der Sicherheitsgewinn die ökologischen und ökonomischen Nachteile wirklich aufwiegt.
Mehr Informationen zur zertifizierten Altreifenentsorgung und zu unseren Partnern finden Sie unter: https://zertifizierte-altreifenentsorger.de
Über die Initiative ZARE
Die Initiative ZARE ist ein Zusammenschluss von 18 im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) organisierten Unternehmen, davon 17 zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe. Die ZARE-Partner haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein für fachgerechtes Reifenrecycling in Deutschland zu stärken. ZARE informiert den Autofahrer über die umweltgerechte Altreifenentsorgung. An 29 Standorten decken die ZARE-Partner Deutschland und die Niederlande nahezu flächendeckend ab.
Die Partner der Initiative sind:
Allgemeine Gummiwertstoff und Reifenhandels GmbH, Bender Reifen Recycling GmbH, Containertransporte Wesseler GmbH, CVS Reifen GmbH, Danninger OHG Spezialtransporte, Erwin Welzenbach Spedition GmbH, G & K Recycling Utsch GmbH, Hartung Speditions-, Handels- und Transport GmbH, HRV GmbH, KARGRO B.V., KRAIBURG Austria GmbH & Co. KG, KURZ Karkassenhandel GmbH, Mondo Reifenmarkt GmbH, MRH Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft mbH, Reifen DRAWS GmbH, Reifen Külshammer, Reifengruppe Ruhr, REIFEN OKA – Reifenhandel
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Bild: hoher_entsorgungsaufwand_bei_seal-und_silent-reifen
Bildunterschrift: Seal- und Silentreifen sind teuer, nur eingeschränkt reparabel und im Vergleich zu Standardreifen schlechter für die Umwelt. Bildquelle: KURZ Karkassenhandel GmbH.
Quelle: Initiative ZARE






